Wohnen statt Unterbringung 2022/23
Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben Menschen in der Schweiz haben grosszügig private Unterkünfte für Geflüchtete aus der Ukraine angeboten. Wie sieht diese Unterstützung beim Ankommen der Geflüchteten aus und kann sie die Integration fördern? Was bedeutet es für die Gesellschaft, die Aufgenommenen und die Aufnehmenden, wenn Care-Arbeit im Privaten geleistet wird? Im schweizerischen Selbstverständnis ist zivilgesellschaftliches Engagement ein wichtiger Faktor für sozialen Zusammenhalt. Wie ist das Engagement im internationalen Vergleich einzuordnen?
In einem Projekt von HSLU und BFH mit Unterstützung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe und des Migros Kulturprozent haben wir diese Fragen untersucht und in den Kontext der internationalen erstarkenden Homestay Acccomodation Forschung gestellt.
Die Gastfamilien leisten wichtige Unterstützung beim Ankommen der Geflüchteten und fördern die Integration (s. Zwischen- und Schlussberichte rechts). Die private Unterbringung kann eine nachhaltige Lösung sein, wenn ein gewisser Grad an Formalisierung und ausreichend Unterstützung vorhanden ist.
In einem Beitrag für Frontiers in Sociology argumentieren wir, dass In der privaten Unterbringung Care-Arbeit im Sinne von Joan Tronto geleistet wird. In der praktischen Dimension bedeutet dies viel Planung, Koordination und Organisation auf Seiten der Aufnehmenden, die eine erhebliche mentale Belastung darstellen kann. Viele dieser Tätigkeiten gerade zu Beginn lagen eigentlich in der Verantwortung der Behörden. Private Unterbringung kann darum als zivilgesellschaftliche Aktivität im Privaten gesehen werden, welche die staatlichen Kapazitäten im Bereich der Migrationspolitik unterstützt. Auch die Geflüchteten leisten Sorgearbeit – oder lehnen sie aus verschiedenen Gründen ab, wenn sie ihnen angeboten wird. Diese Aushandlungen zwischen Aufnehmenden und Aufgenommenen können zu Konflikten führen und sind in Machtverhältnisse zwischen Aufnahmegesellschaft und Geflüchteten eingebettet.
In einem Vergleich in der Sozialen Welt zwischen der Schweiz und Polen – zwei Ländern mit starken, aber unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Traditionen – zeigen wird, dass durch breite gesellschaftliche Mobiliseirung die Grenzen verschoben wurden und die Ukraine eine Teil des «Wir» wurde – unterstützt druch spontane und autonome Organisierung in Polen, und in der Schweiz mit Kritik an der «Auslagerung» staatlicher Aufgaben.
Unser Projekt ist Teil internationaler Forschung zu Homestay Accomodation, vgl. www.spgi.unipd.it/homestay-conference
An der BFH wird die Forschung im Rahmen des NFP 81 Baukultur weitergeführt: "Nachhaltige Baukultur im Kontext Flucht: Neue Wege für eine nachhaltige Unterbringung"